
Vor einem Jahr wurde im Rheingau Taunus Kreis erstmals ein mit dem Erreger der Afrikanischen Schweinepest infiziertes Wildschwein gefunden. Bis Ende Februar 2025 kamen 41 weitere positiv getestete Kadaver hinzu, die entlang des Rheins und auf der Mariannenaue geborgen wurden. Seit dem 28. Februar 2025 wurden nach Angaben der Kreisverwaltung keine weiteren positiven Fälle registriert.
Bilanz und Zusammenarbeit
Der Rheingau Taunus Kreis verzeichnet damit nach eigenen Angaben rund zehn Monate ohne neuen Nachweis der Seuche. Landrat Sandro Zehner hob die koordinierte Zusammenarbeit von Jägerschaft, Landwirtschaft, Forst, Veterinäramt, Katastrophenschutz und Kommunen hervor und betonte, dass auch das Verhalten von Bürgerinnen und Bürgern, etwa das Einhalten von Wegeregeln und Leinenpflichten, wesentlich zum Erfolg beigetragen habe.
Bereits vor dem ersten Fund auf der Grünaue richtete der Kreis einen interdisziplinären Krisenstab ein. In mehr als 130 Sitzungen wurden Maßnahmen geplant und abgestimmt. Ralf Bachmann, Leiter des Fachbereichs Infrastruktur, Wirtschaft und Umwelt und Leiter des Krisenstabes, wertete das vergangene Jahr als Erfolg. Er verwies darauf, dass die Koordination der Aufgaben in Jagd, Landwirtschaft, Forst, Tierhaltung, Kommunen und Land vom Veterinäramt geleistet worden sei, zusätzlich zu regulären Kontrollen und weiteren Tierseuchensituationen.
Rolle des Veterinäramtes und getroffene Maßnahmen
Das Veterinäramt wird in der Mitteilung als fachliches Rückgrat des Krisenstabs bezeichnet. Seit dem ersten Fund in der Region habe das Amt Probenentnahmen, Risikobewertungen und die Koordination vor Ort übernommen. Zu Beginn des Ausbruchs wurden Sperrzonen eingerichtet und besondere Auflagen für Landwirte sowie Schweinehalter verhängt. Zudem gab es Jagdverbote in Kerngebieten, erweiterte Meldepflichten und Sammelstellen mit Dekontaminationsanlagen für jagdliche Fahrzeuge.
Im Verlauf des Jahres wurden die anfänglichen Jagdverbote in differenzierte Vorgaben überführt, um die Bestände in den infizierten Zonen zu reduzieren und mögliche Infektionsketten zu unterbrechen. Die Verwaltung nennt zudem einen erhöhten Aufwand durch weitere Tierseuchen wie Geflügelpest und Blauzungenkrankheit.
Prävention mit Technik und Perspektive auf Rückzonierung
Zur Prävention unterstützt das Hessische Landwirtschaftsministerium den Kreis mit Drohneneinsätzen, Wärmebildkameras und mobilen Entnahmeteams. Seit Mitte 2025 sollen Drohnen helfen, standortgenau Wildschweine in den sogenannten Weißen Zonen zu lokalisieren. Diese Puffergebiete müssen wildschweinfrei gehalten werden, um eine Ausbreitung zu verhindern. Über die gezielte Suche und Entnahme von Tieren wollen die Behörden mögliche Infektionsquellen weiter reduzieren.
Der Kreis plant, in enger Abstimmung mit dem Land Hessen, im Frühjahr 2026 einen Antrag auf Rückzonierung der Restriktionsgebiete bei der Europäischen Union zu stellen, sofern bis dahin keine neuen Funde auftreten, die Weiße Zone frei von Schwarzwild ist und weitere Suchen dokumentiert virusfrei bleiben. Dann könnten erste Maßnahmen schrittweise zurückgefahren werden.
Die Kreisverwaltung nennt die fortgesetzte Überwachung und die dokumentierte Suchen als Voraussetzungen für die angestrebte Rücknahme von Beschränkungen.

