
Der Landkreis Rheingau Taunus hat ein smartphonebasiertes Ersthelfersystem namens Mobile Retter eingeführt. Ziel ist es, die Zeitspanne bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken und so die Überlebenschancen bei plötzlichem Herzstillstand zu erhöhen. Nach Angaben der Verantwortlichen ist der Landkreis damit die dritte Region in der Region Rhein Main, die das Konzept nutzt.
Hintergrund und Zielsetzung
In Deutschland erleiden nach Angaben des Projekts pro Jahr mehr als 120.000 Menschen außerhalb von Krankenhäusern einen Herzstillstand. Die derzeitige Überlebensrate liegt bei etwa zehn Prozent. Ein schneller Ersthelfer vor Ort kann nach Einschätzung von Experten die Erfolgsaussichten deutlich verbessern. Das Projekt Mobile Retter geht davon aus, dass ein flächendeckendes System bundesweit mehr als 10.000 Menschenleben pro Jahr retten könnte.
Wie das System funktioniert
Das System alarmiert medizinisch qualifizierte Ehrenamtliche, die sich mit der Mobile Retter App registriert haben, wenn sie sich in unmittelbarer Nähe eines Notfalls befinden. Die Leitstelle aktiviert die Alarmierung bei Herzstillstand gleichgültig, ob es sich um Kinder oder Erwachsene handelt. Die App lokalisiert die zwei nächstgelegenen qualifizierten Ersthelfenden und navigiert sie direkt zum Einsatzort. Ein integrierter Taktgeber hilft bei der richtigen Rhythmik von Herzdruckmassagen. Wenn ein öffentlicher Defibrillator in der Nähe ist, wird ein weiterer Ersthelfer dorthin geleitet.
Startphase, Qualifikation und Sicherheit
Die Registrierung ist über die Mobile Retter App und ein Online Portal möglich. Nach Prüfung der Qualifikation werden Freiwillige für Einsätze freigeschaltet. Zum Start richtet sich das Projekt ausschließlich an Angehörige des Rettungsdienstes, der Feuerwehren und der Katastrophenschutzeinheiten. Diese erste Phase dient dazu, Abläufe zu testen und Erfahrungen zu sammeln, bevor das System für weitere qualifizierte Personen geöffnet wird.
Zur Datensicherheit heißt es, Zugriffe seien geschützt und Einsatzdaten verschlüsselt. Die Kommunikation laufe über die Leitstelle und ein verpflichtendes Einsatzprotokoll solle eine strukturierte Nachsorge ermöglichen.
Stellungnahmen aus der Region
Landrat Sandro Zehner betonte die Bedeutung einer schnellen Erstversorgung und sagte, mit dem Start von Mobile Retter werde die Rettungskette gestärkt und im Ernstfall wertvolle Zeit gewonnen. Matthias Nagel, Ärztlicher Leiter im Rettungsdienst des Landkreises Rheingau Taunus, erklärte, die Mobilen Retter würden den Rettungsdienst nicht ersetzen, aber die kritischen Minuten bis zum Eintreffen professioneller Hilfe überbrücken. Im Mittelpunkt stünden Ehrenamtliche, die ihre medizinischen Fähigkeiten einsetzten, um Leben zu retten.
Die Verantwortlichen sehen in dem System einen ergänzenden Baustein der Notfallversorgung. Inwieweit sich die erwarteten Effekte in der Praxis bestätigen, soll sich in den kommenden Monaten der Erprobungsphase zeigen.

