
Ende November trafen sich Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zur fünften Rüsselsheimer Wirtschaftsrunde im Historischen Ratssaal des Rathauses, um die lokale Umsetzung der Energiewende zu beraten. Im Mittelpunkt standen die Rolle von Wasserstoff als Zukunftstechnologie, der Ausbau der Netze sowie Strategien zur Diversifizierung der Energieversorgung für den Wirtschaftsstandort Rüsselsheim am Main.
Vorträge skizzieren technologische und regulatorische Rahmen
In drei Impulsbeiträgen wurden nationale Entwicklungen und lokale Handlungsoptionen erörtert. Professorin Dr. Birgit Scheppat vom Forschungszentrum azare der Hochschule RheinMain hob hervor, dass die Integration von Wasserstoff schon jetzt mitgedacht werden müsse. Sie verwies darauf, dass rund 70 Prozent der heute vorhandenen Netze umrüstbar seien, und schlug vor, die Energieversorgung künftig smarter zu gestalten und verstärkt auf Energiespeicher zu setzen. Entscheidend seien geeignete Rahmenbedingungen und pragmatische wirtschaftliche Lösungen.
Maik Landwehr, Geschäftsführer der Stadtwerke Rüsselsheim GmbH, stellte das Transformationsprogramm „Rüsselsheimer Weg“ vor. Er betonte, dass die Energiewende jeden betreffe und dass die Stadtwerke als Betreiber der lokalen Versorgungsinfrastruktur eine aktive Gestalterrolle hätten. Für Landwehr sind Netzausbau und die Diversifizierung der Energiequellen zentrale Voraussetzungen, um Versorgungssicherheit und Resilienz zu erhöhen.
Dustin Metz aus der Wirtschaftsförderung skizzierte die Chancen, die sich aus einer regionalen Wasserstoffwirtschaft ergeben könnten. Er nannte Wasserstoff den Hebel, an dem Rüsselsheim arbeiten wolle, und verwies auf potenzielle Standortvorteile für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle.
Podiumsdiskussion betont Kooperation und Praxisnähe
In der anschließenden Diskussion zeigten sich die Teilnehmenden überzeugt, dass die Energiewende nur als Gemeinschaftsaufgabe gelinge. Vertiefend diskutiert wurden Fragen nach technischen Umrüstungen, Finanzierung, Governance und der Abstimmung zwischen kommunaler Planung, Energieversorgern und Forschungseinrichtungen. Die Stadt und die Stadtwerke arbeiten demnach intensiv an Lösungen, die zugleich pragmatisch und wirtschaftlich tragfähig sind.
Claudia Gotz aus der Stabsstelle Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung fasste die Debatte so zusammen, dass Energie ein Nadelöhr sei und gemeinsame Anstrengungen notwendig seien, um Rüsselsheim als Wirtschafts- und Innovationsstandort zu stärken. Zugleich wurden Netzausbau, Energiespeicher und eine diversifizierte Energieerzeugung als zentrale Handlungsfelder benannt.
Initiative und Ausblick
Die Wirtschaftsrunde wurde 2024 von der Wirtschaftsförderung der Stadt Rüsselsheim am Main sowie Oberbürgermeister und Wirtschaftsdezernent Patrick Burghardt ins Leben gerufen. Das Format soll Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung regelmäßig zusammenbringen, um Erfahrungen auszutauschen und Impulse für die Stadtentwicklung zu geben.
Die Sitzung machte deutlich, dass bereits bestehende technologische Optionen und lokale Programme mit klaren Entscheidungen zu Rahmenbedingungen gekoppelt werden müssen, damit Wasserstoff und Netzausbau zu konkreten Standortvorteilen führen können. Beteiligte wollen die Zusammenarbeit fortsetzen, um konkrete Projekte und Umsetzungsfahrpläne zu entwickeln.

